BMW e61

Die Problematik beim Kaltstart

​Ein unruhiger Kaltstart, „nagelnde“ Geräusche in den ersten Sekunden oder Einträge im Fehlerspeicher sind die klassischen Anzeichen für Probleme im Vorglühsystem moderner Dieselmotoren. Doch bevor man wahllos Teile tauscht, hilft eine systematische Analyse der Bauteile.

​1. Das Fehlerbild: Chronologie des Scheiterns

​Oft beginnt es mit einem einzelnen Eintrag im Fehlerspeicher, zum Beispiel: „Ansteuerung Glühkerze Zylinder 3“. Kurze Zeit später folgt ein zweiter Zylinder, etwa Zylinder 2.

​Dieser schleichende Prozess ist ein klassisches Indiz für natürlichen Verschleiß der Kerzen. Da alle Glühkerzen im selben Motorblock unter identischen Bedingungen arbeiten, erreichen sie ihre Verschleißgrenze oft zeitnah nacheinander. Wäre das Steuergerät die primäre Ursache, würden bei vielen BMW-Modellen häufig alle oder gar keine Kerzen mehr im Protokoll stehen.

​2. Die Sichtprüfung: Was das Auge (nicht) sieht

​Ausgebaute Glühkerzen zeigen oft ein deutliches Verschleißbild:

  • Rußablagerungen: Deuten auf mangelnde Hitzeentwicklung hin, da die Kerze nicht mehr heiß genug wird, um sich freizubrennen.
  • Verkokungen: Starke Ablagerungen am Schaft können durch Öl im Brennraum oder schlechte Verbrennung entstehen.
  • Das Problem: Eine Kerze kann äußerlich unbeschädigt sein, aber im Inneren eine unterbrochene Heizwendel haben. Optik allein reicht zur finalen Diagnose nicht aus.
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​3. Der elektrische Test (Multimeter-Messung)

​Um absolute Gewissheit zu haben, müssen die Kerzen elektrisch geprüft werden. Gemessen wird der Widerstand (\Omega) zwischen dem oberen Anschlusskontakt und dem Metallgehäuse:

MesswertDiagnose
0,1 bis 1,5 OhmDie Kerze ist elektrisch intakt.
0,0 Ohm (Kurzschluss)Die Kerze ist defekt und kann das Steuergerät schädigen.
Unendlich / „OL“Die Heizwendel ist durchgebrannt (Defekt).

Werte wie 0,13 Ohm oder 0,3 Ohm sind ideale Arbeitswerte für funktionsfähige Kerzen. Zeigt eine Kerze gar keinen Wert (unendlich), ist sie zweifelsfrei der Grund für den Fehlerspeichereintrag.

​4. Das Glühsteuergerät: Die unsichtbare Fehlerquelle

​Wenn die Kerzen neu sind, der Fehler aber bestehen bleibt, rückt das Steuergerät (Glühendstufe) in den Fokus:

  • Symptom: Das Gerät meldet eine defekte Kerze, obwohl diese nachweislich neu und intakt ist.
  • Ursache: Interne Kontaktunterbrechungen (Bonddrähte), die durch Vibrationen und extreme Hitzezyklen direkt am Motorblock entstehen.
  • Prävention: Da bei vielen Modellen die Ansaugbrücke für den Wechsel demontiert werden muss, ist es wirtschaftlich sinnvoll, das Steuergerät präventiv mitzutauschen.

​5. Profi-Tipps für den reibungslosen Austausch

  1. Warm ausbauen: Glühkerzen sollten idealerweise bei betriebswarmem Motor gelöst werden, um das Risiko eines Abrisses zu minimieren.
  2. Reinigung: Vor dem Einbau neuer Kerzen sollten die Schächte gründlich gereinigt werden.
  3. Montagepaste: Verwende spezielle Glühkerzen-Montagepaste auf dem Schaft, um zukünftiges Festfressen zu verhindern.
  4. Drehmoment: Beachte unbedingt die Herstellervorgaben für das Anzugs- und insbesondere das Bruchdrehmoment.

Fazit: Erscheinen Fehler nacheinander im Speicher, sind meist die Kerzen am Ende ihrer Laufzeit. Erscheinen mehrere Zylinder gleichzeitig oder wandert der Fehler unlogisch, ist fast immer das Steuergerät der Verursacher.

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