David Bowie
Vom Alien zum Finanzgenie: Die definitive Geschichte des Mannes, der die Welt verkaufte.
Am 10. Januar 2026 jährt sich der Todestag von David Bowie zum zehnten Mal. Doch Bowie war nie nur ein Musiker. Er war ein Gesamtkunstwerk, ein Schauspieler, ein Tech-Pionier und ein brillanter Geschäftsmann. Wer den Menschen hinter dem Mythos verstehen will, muss tief graben – von den Straßen Brixtons bis zu den Finanzmärkten der Wall Street.
Dies ist seine ganze Geschichte.
1. Der Ursprung: Ein Schlag für die Ewigkeit
Geboren 1947 als David Robert Jones, begann sein markantestes Merkmal mit einer Schlägerei.
- Der Mythos: Viele glauben, Bowie hätte zwei verschiedene Augenfarben (Heterochromie).
- Die Wahrheit: Er hatte eine Anisokorie. 1962 prügelte er sich mit seinem Schulfreund George Underwood um ein Mädchen. Ein Schlag traf Bowies linkes Auge, der Muskel wurde gelähmt, die Pupille blieb dauerhaft geweitet. Das gab ihm den mystischen, „außerirdischen“ Blick.
- Das Detail: Underwood und Bowie blieben lebenslange Freunde. Underwood designte später sogar die Cover für Hunky Dory und Ziggy Stardust.
2. Die Masken des Meisters: Seine Personas
Bowie trat fast nie als er selbst auf. Er erschuf Charaktere, um seine Schüchternheit zu überwinden und Kunst von Realität zu trennen.
- Ziggy Stardust (1972): Der bisexuelle Alien-Messias. Mit ihm brachte er Glam-Rock in den Mainstream. Er musste Ziggy 1973 auf der Bühne „töten“, weil die Rolle begann, seine Persönlichkeit zu übernehmen.
- Aladdin Sane (1973): „A Lad Insane“ (Ein verrückter Junge). Berühmt durch den Blitz im Gesicht – ein Symbol für die Spaltung zwischen Ruhm und Wahnsinn.
- The Thin White Duke (1976): Seine dunkelste Phase in Los Angeles. Bowie ernährte sich angeblich nur von Milch, roten Paprika und Kokain. Er war paranoid, lagerte seinen Urin im Kühlschrank (aus Angst vor schwarzer Magie) und flirtete mit faschistischer Ästhetik. Er wusste: Er musste fliehen, um zu überleben.
3. Die Berliner Jahre: Heilung und „Heroes“
1976 zog Bowie nach West-Berlin in die Hauptstraße 155 (Schöneberg). Er teilte sich die Wohnung mit Iggy Pop. Hier, im grauen, geteilten Berlin, wurde er „clean“ und schrieb Musikgeschichte.
Die Entstehung von „Heroes“
Der Song wurde in den Hansa Studios direkt an der Mauer aufgenommen.
- Die Inspiration: Bowie sah aus dem Fenster ein Paar, das sich im Schatten der Grenztürme küsste. Lange behauptete er, das Paar sei unbekannt gewesen. Später gab er zu: Es war sein Produzent Tony Visconti, der eine Affäre mit der Backgroundsängerin Antonia Maaß hatte.
- Der Sound: Visconti erfand ein spezielles Drei-Mikrofon-System. Ein Mikrofon stand direkt vor Bowie, eines 6 Meter weg, eines 15 Meter am Ende des Raumes. Durch elektronische Tore („Gates“) öffneten sich die entfernten Mikrofone erst, wenn Bowie schrie. Das Ergebnis ist der gigantische Hall im Finale des Songs.
4. Der Geschäftsmann: Die „Bowie Bonds“
Bowie war auch finanziell ein Visionär. 1997, lange bevor Streaming ein Thema war, hatte er eine revolutionäre Idee.
- Der Deal: Er gab Anleihen (Bonds) an der Wall Street heraus. Als Sicherheit hinterlegte er die Tantiemen-Rechte an seinen Songs (alles vor 1990).
- Der Gewinn: Er kassierte 55 Millionen US-Dollar sofort auf die Hand.
- Der Coup: Kurz darauf brach der Musikmarkt durch Napster und illegale Downloads ein. Die Einnahmen sanken, aber Bowie hatte sein Geld bereits gesichert. 2007, als sich der Markt erholte, fielen die Rechte wieder an ihn zurück. Er hatte das System geschlagen.
5. Der Pionier und Schauspieler
Bowie sah Trends, bevor sie existierten.
- Internet: 1998 startete er BowieNet, seinen eigenen Internet-Provider. Er sagte damals: „Das Internet ist wie eine außerirdische Lebensform.“
- Film: Er war ein begnadeter Schauspieler. Unvergessen als Koboldkönig Jareth in Die Reise ins Labyrinth (1986) oder als mysteriöser Nikola Tesla in Christopher Nolans Prestige (2006).
6. Das Finale: Blackstar
Sein Abschied war sein letztes Meisterwerk. Bowie hielt seine Leberkrebs-Erkrankung 18 Monate lang geheim.
- Der Release: An seinem 69. Geburtstag (8. Januar 2016) veröffentlichte er das Album Blackstar.
- Der Tod: Nur zwei Tage später, am 10. Januar, starb er.
- Die Botschaft: Das Album ist voller Hinweise. Im Video zu Lazarus liegt er mit verbundenen Augen im Krankenbett und singt: „Look up here, I’m in heaven.“
- Das Vinyl-Geheimnis: Wer die Blackstar-Schallplatte ins direkte Sonnenlicht hält, sieht auf dem schwarzen Stern plötzlich ein ganzes Sternenfeld leuchten. Ein letzter Gruß aus dem Jenseits.
7. Anekdoten und Charakter
- Sir David? Nein danke. 2003 lehnte er den Ritterschlag der Queen ab. „Ich wüsste nicht, wofür das gut sein soll. Dafür habe ich mein Leben nicht gearbeitet.“
- Freundschaft mit Lennon: Mit John Lennon schrieb er den Hit Fame. Lennon war sein Mentor, der ihm zeigte, wie man berühmt bleibt, ohne den Verstand zu verlieren.
Fazit
David Bowie war der Beweis, dass wir nicht festgelegt sind. Wir können uns jeden Tag neu erfinden. Er war der Mann, der vom Himmel fiel, die Welt verkaufte und sie am Ende reicher zurückließ, als er sie vorgefunden hatte.
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